"Israel in Egypt"

Oratorium von G. F. Händel -- Konzerte des Gutenberg-Kammerchores

Johanna Rosskopp und Miriam Hohn, Sopran
Rebekka Stolz, Alt
Julius Wingerter und Julio Fernández, Tenor
Valentin Vatev und Samuel Kirsch, Bass

Gutenberg-Kammerchor
Collegium Cantorum Merzig

Neumeyer Consort

Felix Koch, Leitung
 

Donnerstag, 26.10.2017, 20.00 Uhr
Kirche St. Bonifaz, Mainz

Karten 15,- € / erm. 12,- €
- freie Platzwahl -
Abendkasse/Einlass ab 19:15 Uhr

Kartenbestellung für das Konzert in Mainz über unser Online-Formular
 

Konzert in der Stadthalle Merzig am 13. Oktober 2017
(Tickets für Merzig hier)

Konzert im Kaiserdom St. Bartholomäus, Frankfurt/M. am 27. Oktober 2017
(Tickets für Frankfurt hier)


Händels Oratorium Israel in Egypt ist ein Paradebeispiel eines hochbarocken Oratoriums in doppelchöriger Anlage – es gilt als Schlüsselwerk im Oratorienschaffen Händels. Spätestens seit seiner „Wiederbelebung“ zu Beginn des 19. Jahrhunderts durch den rührigen, an Barockmusik stets interessierten Felix Mendelssohn Bartholdy, der die Partitur in einem Londoner Archiv entdeckt hatte, wird Israel in Egypt als „Urbild Händel’scher Oratorienkunst schlechthin“ gepriesen und ist neben dem Messiah wohl das meistgespielte Oratorium. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gehörte es zum festen Repertoire der Handel Festivals, die im Londoner Crystal Palace regelmäßig tausende von Sängern versammelten; dabei wurde auch die erste Tonaufnahme überhaupt gemacht: Im Juni 1888 nahm Edisons Auslandsagent G. Gouraud den Beginn von Moses‘ Lobgesang mit einem 4000-köpfigen Chor auf Wachszylinder auf – damit begann die Ära der Musikkonserve.

Im Oktober 1738 komponiert, steht Israel in Egypt an einer Wende des Schaffens-Schwerpunkts von Händel: Nachdem der Komponist über lange Jahre in London große Erfolge feiern konnte mit seinen italienischen Opern, musste Händel dem Wandel des Zeitgeschmacks und den geänderten gesellschaftlichen (und politischen) Verhältnissen Rechnung tragen; 1738 konnte er wegen dem Ausbleiben der Subskribenten keine Opern-Saison mehr realisieren – und verlegte sich fortan auf das (englischsprachige) Oratorium. Neben dem neuen Saul und den beiden älteren Werken Alexander’s Feast und Il trionfo gehörte Israel in Egypt zur ersten Oratorien-Saison Händels, die 1739 im Londoner Haymarket Theatre stattfand.
Es ist das Oratorium, in dem sich Händel intensiv und gezielt mit den Möglichkeiten der Gattung beschäftigte und diese systematisch bis zu ihren Grenzen führte (v.a. im Einsatz der Chöre), so dass die so gewonnen Erkenntnisse und Erfahrungen für die weitere Entwicklung der Gattung entscheidende Bedeutung erlangten: Die quasi-experimentelle Auseinandersetzung mit der Form eröffnete die Wege zu einer neuen Auffassung und gänzlich andersartigen Ausprägung des Oratoriums. Der Musikjournalist Reinhard Szyszka betont die „geradezu erdrückende Fülle von Chorsätzen aller Art. Da gibt es Fugen, Doppelfugen, Motetten, choralartig homophone Sätze, Blocksätze, Chor-Rezitative und viele andere Nummern, die in keine Schublade passen wollen. Auf dem Papier wirkt das Werk fast wie ein Kompendium der Chorkomposition, so als habe Händel zeigen wollen, was auf dem Gebiet der Chormusik alles möglich ist.“
Es ist umso bemerkenswerter, dass Händel hier ausgiebigen Gebrauch des damals üblichen Verfahrens der „musikalischen Parodie“ machte, d.h. er hat zahlreiche Musikstücke „recycelt“, die teils von ihm selbst stammten (z.B. „Dixit Dominus“, Klavierfugen), teils von hochgeschätzten Kollegen – angefangen von Alessandro Stradella und Jean-Philippe Rameau bis hin zu Johann Caspar Kerll und Friedrich Wilhelm Zachow.